Am 28. November 1848 wurde Bern von der Bundesversammlung zur Bundeshauptstadt der Schweiz gewählt. Dass dieses politische Traktandum auch 159 Jahre nach der Gründung des Bundesstaates noch die Gemüter erregt, zeigen die Folgen einer Werbekampagne, die anfangs 2007 lanciert wurde. Auf Plakaten in den Städten Basel, Bern, Genf und Zürich wurde zur Wahl einer neuen Bundeshauptstadt aufgerufen und gleichzeitig auch für die jeweiligen Kandidatinnen die Propagandatrommel gerührt. Auffällig war, dass die Plakate keinen Absender trugen. Zum einen wurde in der Öffentlichkeit und in den Medien gerätselt, wer denn dahinter stecken könnte und zum anderen erwachte alsbald auch der gutschweizerische Kantönligeist, um die Diskussionen über eine neue Bundeshauptstadt anzuheizen.
Des Rätsels Lösung ist indessen nicht politischer, sondern werbetechnischer Natur: Initiantin der Kampagne ist die Affichage Gruppe, die Marktleaderin für Aussenwerbung in der Schweiz, zu der beispielsweise auch die Plakatgesellschaft APG gehört. Sie wollte beweisen, dass Aussenwerbung etwas auslöst. Dazu lancierte sie ein Innovationsprojekt, das die Interaktion von Plakaten mit anderen Werbeformen, wie beispielsweise mit E-Boards (Live-Resultate auf den Grossbildschirmen in den jeweiligen Bahnhöfen) demonstriert. Mit dem SMS-Voting, realisiert von der Mobiletechnics AG, kam zudem ein modernes Kommunikationsmittel zum Einsatz.
Die zusammen mit der Zürcher Werbeagentur Publicis entwickelte Idee, das Projekt als politische Wahlkampagne zu verpacken, erwies sich als Treffer. Die Wahl der neuen Bundeshauptstadt wurde schnell zu einem viel diskutierten Thema, das sich in Zeitungskommentaren, Leserbriefen, Weblogs etc. niederschlug und immer höhere Wellen schlug. Stadtpräsidenten gaben Interviews und Mütter füllten die Seiten des „swissmomforum“ im Internet. Trittbrettfahrer tauchten auf, wie etwa die nicht-nominierte Stadt Luzern, welche die Wählerschaft mittels einer zum Verwechseln ähnlichen Internetadresse auf ihre offizielle Website lockte. Schliesslich schaltete sich auch noch Bundesbern ein: Zum einen monierte die Bundeskanzlei die Verwendung des Schweizerwappens und zum anderen rief sie alle Bundesangestellten zu einem Wahlboykott auf – eine bemerkenswerte Massnahme, die in gefestigten Demokratien sonst äusserst selten auftaucht. Die Wahlbeteiligung war jedoch erfreulich hoch. Den Namen der neuen Bundeshauptstadt der Schweiz erfährt man auf www.neue-hauptstadt.ch. Vielleicht gibt es ja dann noch eine VOX-Analyse, die uns das Resultat genauer erklärt.
Der Netto-Erlös aus dem SMS-Voting spendet Affichage übrigens dem Strassenmagazin Surprise der Gewinnerstadt. Die detaillierte Auswertung der interaktiven Kampagne kann von allen Interessierten zu gegebener Zeit bezogen werden. Ausserdem erarbeitet das Psychologische Institut der Universität Zürich (Sozial- und Wirtschaftspsychologie) eine eigene begleitende Studie zum Projekt.
Auszug aus dem Pressespiegel und Blogs:
http://epaper.baslerstab.ch/sixcms/detail.php?template=ep_start&id=25968
http://www.swissmomforum.ch/forum/viewtopic.php?t=19064&postdays=0&postorder=asc&start=0
http://www.20min.ch/news/schweiz/story/27160615
http://www.blick.ch/news/schweiz/artikel52973
http://www.ebund.ch/artikel_303835.html
http://www.ebund.ch/artikel_301020.html
http://www.fritteli.ch/2007/01/08/die-hauptstadt-wirkt-nach/
http://oo.kermitter.com/journal/?k=1,1481
http://www.fritteli.ch/2007/01/03/neue-hauptstadt/
http://www.fcbforum.ch/showthread.php?t=21473
http://www.toponline.ch/area-1.rub-41.art-67180.tce
http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=64860
http://www.mangaforum.org/showthread.php?t=9126
http://www.heute-online.ch/news/?i=23316
http://www.festzeit.ch/forum.php?show=thread&id=2317
http://www.fan-forum.ch/forum/thread.php?postid=117040#post117040
http://www.hockeyfans.ch/ubbthreads/showflat.php?Cat=&Number=436385&page=0&view=collapsed&sb=5&o=&fpart=1
http://www.espace.ch/artikel_301020.html
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